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(ms) Vor einer Woche, am 14. Mai, gab es einen schweren Unfall am Kreisverkehr beim U-Bahnhof Volksdorf. Eine 14-jährige Fahrradfahrerin ist dabei schwer verletzt worden. Die 14-Jährige wollte mit dem Fahrrad vom U-Bahnhof Volksdorf kommend die Straße Halenreie überqueren. Ein Lkw-Fahrer, der mit seinem MAN (12 Tonnen) vom Kreisel Halenreie nach rechts in Richtung Waldweg abbiegen wollte, übersah das Mädchen vermutlich. Die 14-Jährige geriet unter das Fahrzeug und wurde mit dem Oberkörper eingeklemmt.

Nun hat sich ein Leser des Volksdorf Journal die Situation am Kreisel aus der Sicht des Autofahrers noch einmal etwas genauer angesehen und seine Beobachtungen auch gleich mit einigen Fotos dokumentiert.

"Dabei ist mir aufgefallen, dass beim Ausfahren des Kreisels in Richtung Waldweg die Übersicht durch eine Grünfläche mit Heckenrosen eingeschränkt ist. Sicherlich ist die Anpflanzung gut gemeint aber wenn man ein normales Fahrzeug (welches nicht unbedingt SUV Abmessungen hat) fährt, ist die Übersicht schon eingeschränkt. Kleine Kinder, die an den Überweg laufen oder fahren, können dadurch übersehen werden. Zumal die Hecke sicherlich im Laufe des Jahres noch höher wird (es sei denn, sie wird regelmäßig geschnitten). Ich habe mal einige Fotos gemacht, die die Situation zwar in umgekehrter Richtung darstellen, aber das Problem deutlich zeigen.", so Wolfgang Küter aus Volksdorf.

Dazu kommt noch, dass nur sehr wenige Radfahrer am Zebrastreifen die Verkehrsregeln einhalten. Der Fußgängerüberweg (umgangssprachlich Zebrastreifen) ist eine "Querungsanlage für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Begleittiere". Geregelt ist dies in Deutschland in § 26 der Straßenverkehrsordnung (StVO):

§ 26 Fußgängerüberwege

(1) An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den Fußgängern sowie Fahrern von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.
(2) Stockt der Verkehr, so dürfen Fahrzeuge nicht auf den Überweg fahren, wenn sie auf ihm warten müßten.
(3) An Überwegen darf nicht überholt werden.
(4) Führt die Markierung über einen Radweg oder einen anderen Straßenteil, so gelten diese Vorschriften entsprechend.

Die Geschichte dieser Straßenquerung ist lang, wenn auch in der deutschen StVO erst seit dem 24. August 1953 verankert.

Schon 1911 schrieb ein entrüsteter Leser an die Londoner The Times:
„Könnten Sie etwas unternehmen, damit Fußgänger auf unseren öffentlichen Straßen wieder sicher sind? Es ist herzzerreißend, von den erschreckenden Todesfällen zu lesen. Wenn ein Fußgänger heute auch nur kurz zögert oder einen Fehler macht, ist seine Chance, einem schrecklichem Tod zu entrinnen viel geringer als zu Zeiten, als die Fahrzeuge viel langsamer fuhren. Was den motorisierten Verkehr angeht, herrscht das Bestreben vor, erst im letzten Moment zu bremsen. Es ist ein Skandal, dass auf öffentlichen Wegen von den schwächsten Verkehrsteilnehmern die größte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die Straßen sind für alle da, und zwangsläufig sollten die verletzlichsten Teilnehmer, eben die Fußgänger, die größte Aufmerksamkeit bekommen."
– The Times: The Pedestrian's Chances, 14. Februar 1911, S. 14. Übersetzt aus dem Englischen.*

Radfahrer nutzen den Zebrastreifen oft in dem irrigen Glauben, dass auch sie gegenüber den Kraftfahrzeugen bevorrechtigt seien. Aus § 26 StVO Absatz I aber ergibt sich eindeutig, dass dies nicht der Fall ist, denn die verkehrsrechtliche Sonderstellung ist eben lediglich für Fußgänger und Fahrer von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen vorgesehen. Es ist zwar Fahrradfahrern nicht verboten den Zebrastreifen zu befahren, allerdings werden sie dann auch nicht vom Schutzbereich eines Fußgängerüberweges erfasst. Anders sieht es nur aus, wenn das Fahrrad "rollernd" benutzt wird: Laut einem aus dem Jahre 2004 stammenden Urteil des Kammergerichts Berlin gilt die Sonderregelung auch für Personen, die ein Fahrrad „rollernd" benutzen. "Hierzu steigt der Fahrer zunächst ab, so dass er seitlich vom Rad steht. Befindet er sich z. B. links vom Rad, stellt er den rechten Fuß auf das linke Pedal, damit er sich mit dem linken Fuß – wie auf einem Tretroller – abstoßen kann."

Anders sieht die Situation nur aus, wenn an der Ausfahrt des Kreisels noch ein Schild "Vorfahrt gewähren" steht, was am Kreisel am U-Bahnhof Volksdorf nicht der Fall ist. Da insbesondere Kindern die genannten Regeln unbekannt zu sein scheinen, kann hier nur an die Eltern appelliert werden, ihre Sprösslinge auf die Gefahren an den Zebrastreifen hinzuweisen. Auch wäre eine verstärkte verkehrspolizeiliche Überwachung solcher Brennpunkt wünschenswert. Auch das von unserem Leser Wolfgang Küter vorgeschlagene Kürzen der Heckenrosen am in Rede stehenden Zebrastreifen wäre sicherlich hilfreich bei der Vermeidung von Unfällen.

*Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Fußgängerüberweg, der Text steht unter der Lizenz CC-BY-SA http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de. 

 

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