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(ms) Im Anschluss an die Sitzung des Regionalausschusses Walddörfer am vergangenen Donnerstag (01.03.) hatten die Volksdorfer und unsere Nachbarn die Gelegenheit, ihre Meinung für oder gegen die Öffnung der Einbahnstraße am U-Bahnhof Volksdorf zu äußern. Für diese Veranstaltung war umfangreich durch Plakate und auch in der Presse geworben worden. Da war es schon erstaunlich, dass sich um 19:00 Uhr lediglich ca. 70 der rund 20.000 Bürger im großen Saal des WSV-Sportforums eingefunden hatten. Hierunter waren viele, die sich sowieso schon mehrfach in diesem Zusammenhang geäußert hatten. Und um es vorweg zu nehmen: Trotz teilweiser heftiger Debatte gab es letztlich weder neue Ideen oder Argumente, noch scheint eine Einigung der verschiedenen Fronten näher gekommen zu sein.

Zur Vorgeschichte der ganzen Diskussion und dieses Abends hat das Volksdorf Journal mehrere Artikel veröffentlicht.

Nach einer Begrüßung der Anwesenden durch die Vorsitzende des Regionalausschusses Walddörfer, Anja Quast (SPD), hatten zunächst die Sprecher der einzelnen Fraktionen die Möglichkeit, die Meinung ihrer Fraktion in einer kurzen Zusammenfassung vorzustellen.

Peter Pape (SPD) ergriff zuerst das Wort. Er erklärte kurz die Entwicklung rund um die Einbahnstraße, wobei er noch einmal darauf hinwies, dass die SPD nach wie vor eine Öffnung der Straße in beide Richtungen bevorzugen würde. Dann wies er auf die zurzeit dort häufiger auftretenden, oftmals kritischen Situationen hin, die durch das Fehlen eines Zebrastreifens verursacht würden. Er betonte, dass die SPD die Ergebnisse der geplanten Befragung aller Volksdorfer Wahlberechtigten als verbindlich ansehen würde.

Dann äußerte sich Franziska Hoppermann für die CDU. Auch sie erneuerte die Forderung ihrer Partei, die Straße zu öffnen. Dadurch würde es auch weniger Verkehr bei den vor dem Bahnhof in der Claus-Ferck-Straße abgestellten Bussen geben, was zur Verkehrssicherheit beitragen würde. Die geplante Bürgerbefragung kritisierte sie noch einmal ausdrücklich, da ja bereits ein Beschluss existieren würde, der die Öffnung vorsähe.

Dr. Klaus Fischer (FDP) wies noch einmal darauf hin, dass der Vorschlag zur Öffnung der U-Bahnunterführung in Volksdorf in beide Richtungen auf eine Initiative der FDP-Fraktion Ende 2008 zurückgehen würde und sich an der Einstellung dazu nichts geändert habe. Auch sei der Fahrradverkehr in West-Ost-Richtung am Bahnhof zurzeit nicht gut geführt. Auch das könnte im Zuge der Öffnung verbessert werden. Grundsätzliche Bedenken habe er gegen das geplante Verfahren zur Bürgerbefragung. Dieses sei „frei erfunden und entfalte insofern auch keine Bindungswirkung", so Fischer.

Rainer Behrens (Die Linke) hob hervor, dass es keinerlei Verkehrszählung oder sonstige fachliche Informationen gäbe, die einer Entscheidung zugrunde gelegt werden könnten. Seine Fraktion hätte damals (Beschluss der Bezirksversammlung vom 03.09.2009) der Öffnung zugestimmt, weil sie sich erhofft habe, dass dadurch die Verkehrssituation entschärft werden könne.

Zum Schluss kam die Fraktion zu Wort, die die ganze Diskussion wieder aufleben ließ: die GAL. Susanne Zechendorf umschrieb das in ihren einleitenden Worten mit: „Sie haben es der GAL zu verdanken, dass wir uns heute noch einmal darüber unterhalten." Aus grüner Sicht sei die für die Öffnung zu investierende Summe von 150.000 bis 200.000 Euro viel Geld. Vor allen Dingen für eine Maßnahme, die bisher nicht fachlich kompetent beurteilt worden sei. Aber auch die Kosten für ein entsprechendes Gutachten seien mit 60.000 Euro sehr hoch. Prinzipiell sei die GAL nicht gegen eine Öffnung, es erschließe sich aber bisher nicht der erhoffte Erfolg.

Nachdem sich die Parteienvertreter geäußert hatten, kam ein Behördenvertreter von der Planungsabteilung Wandsbek zu Wort und erläuterte den aus dem Jahre 2007 stammenden „Städtebaulichen Rahmenplan für Volksdorf". Er zeigte anhand von Karten und Bildern auf, welche Maßnahmen aus dieser seinerzeit mit viel Aufwand erstellten, dann aber wohl überwiegend wieder vergessenen Rahmenplanung für das Volksdorfer Zentrum, bereits durchgeführt worden sind.

Der ebenfalls anwesende Ramon Müller, der Leiter Prävention und Verkehr am für Volksdorf zuständigen Polizeikommissariat 35, sagte, dass die Polizei gegen eine Öffnung keine Einwände habe, zumindest dann nicht, wenn alle Sicherheitsaspekte gewahrt würden.

Dann kamen die Bürger zu Wort. Es kamen vielfältige Argumente, allerdings wenig Neues. So stellten gleich mehrere Redner darauf ab, dass bei der Planung dem Fußgänger und dem Fahrradfahrer Vorrang gegenüber dem Auto eingeräumt werden solle. Dem wurde aber auch entgegnet, dass man das Auto nicht verteufeln könne. In Anbetracht des zurzeit hier stattfindenden Wandels in der demografischen Entwicklung müsse im Auge behalten werden, dass das Auto auch zur Mobilität behinderter und älterer Bürger verhelfe.

Nachdenklich stimmte ein Argument, das auf die Frage abstellte, was denn mit dem zusätzlichen Verkehr im Uppenhof passieren würde, der durch eine Öffnung entstünde. Einerseits würde der Zebrastreifen den Verkehr gleich wieder bremsen. Andererseits wäre die Straße durch die parkenden Autos recht schmal. Und letztlich würde es, „nachdem sich die Autos durch den Uppenhof gequält hätten", spätestens an der Einmündung auf die Eulenkrugstraße zu Problemen kommen, weil dort ein Linksabbiegen schwierig sei.

Nun ergriff der Sprecher der Gruppe das Wort, die sich von Anfang an sehr umfangreich an der Diskussion um eine Öffnung der Einbahnstraße beteiligt hatte. Wulf Denecke von der IAO (Initiative zur Aufwertung des Ortskerns von Volksdorf) stellte heraus, dass sich die Mitglieder der Gruppe schon zwei Jahre mit dem Thema befassen würden. Es hätten auch intensive Gespräche mit der GAL und Vertretern von Die Linke stattgefunden. Er beklagte sich aber, dass die anderen Parteien wenig Interesse gezeigt hätten. Die IAO habe Verkehrszählungen durchgeführt und dabei festgestellt, dass die Linksabbieger vor dem WSV oft in Richtung Lerchenberg und Ahrensburger Weg fahren würden und die Öffnung der Einbahnstraße insofern keine Entlastung dieser Einmündung darstellen würde. Die Gruppe spreche sich gegen eine Öffnung und auch gegen eine Umfrage zum diesem Thema aus. Schließlich beklagte er recht heftig, dass die IAO in Teilen der örtlichen Presse und von einigen Lokalpolitikern ungerechtfertigt angegriffen werde.

Als sich die Runde wieder etwas beruhigt hatte, kamen noch weitere der Anwesenden zu Wort. Zum Beispiel wurde erwähnt, dass die jetzige Situation oft recht unübersichtlich sei und auch gefährlich, da in vielen Volksdorfer Köpfen noch der frühere Zebrastreifen (an der jetzigen Nase) existieren würde, was zu Unsicherheiten bei Fußgängern und Autofahrern führe. Dem entgegnete allerdings Ramon Müller (PK 35), dass an der Stelle eine absolut unauffällige Unfalllage bestehe. Die jetzige Lösung also eine gute sei. Allerdings sei aus der Sicht der Polizei dort auch ein Fußgängerüberweg denkbar.

Michael Drügg, einer der interessierten Bürger, wies darauf hin, dass aus seiner Sicht eine Öffnung keinen Sinn mache, da man jetzt schon kaum aus dem Parkhaus heraus käme. Allerdings wäre eine Öffnung für Fahrradfahrer sinnvoll. Auch er sprach sich für einen Fußgängerüberweg aus. Er schloss mit dem Vorschlag, das eingesparte Geld für eine Verbesserung der Fußwege und eine eventuelle Querungsmöglichkeit im Bereich des Walddörfer SV zu verwenden.

Auch Klaus Wolff, ein ehemaliger Städteplaner, seit 1945 Volksdorfer und Mitglied der IAO meldete sich zu Wort. Er erläuterte anhand einer Karte, dass er ein Linksabbiegen aus der jetzigen Einbahnstraße für Fahrradfahrer für sehr gefährlich halte. Auch würde durch die Öffnung sicherlich kein neuer Parkplatz entstehen, ein Wegfall einiger Plätze hingegen sei möglich. Er forderte die Politiker auf, allen Interessierten den damaligen Rahmenplan zur Verfügung zu stellen. Außerdem solle auf eine Befragung verzichtet werden und die eingesparten Mittel in eine vernünftige Untersuchung gesteckt werden.

Zur Idee des Wiederauflebens der im Rahmenplan favorisierten Mischverkehrsfläche („shared space") im Zuge der Claus-Ferck-Straße gab der anwesende Vertreter der Planungsabteilung Wandsbek eine Kostenschätzung von rund 2.000.000 Euro ab. Klaus Wolf (IAO) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass gerade auch für das Rahlstedter Bahnhofzentrum eine ähnlich hohe Summe ausgegeben worden sei.

Kommentar

Am Ende des Abends gegen 21:00 Uhr blieb der Eindruck zurück, dass sich hier zwar mehr Gegner einer Öffnung zusammengefunden hatten, als Befürworter, sich aber trotzdem kein klares Meinungsbild ergab. Sowohl die Argumente dafür, wie auch die gegen eine Öffnung überzeugten zum Teil. Solange aber keine fundierten Untersuchungen mit belastbarem Zahlenmaterial, zum Beispiel zu den Verkehrsströmen, vorliegen, bleibt im Endeffekt alles pure Meinungsäußerung. Auch in Anbetracht der geringen Zahl der Zuhörer dieses Abends, müsste vielleicht überlegt werden, ob eine Entscheidung nun „auf Kraft" herbeigeführt werden sollte, zum Beispiel durch eine (recht kostenaufwändige) Befragungsaktion mit eventuell sehr geringer Beteiligung, oder ob es nicht besser wäre, wieder in eine Gesamtplanung des Volksdorfer Ortskerns einzusteigen und vorhandene Mittel dort zu investieren, statt sie in lokale Einzelmaßnahmen zu stecken. Letztlich sind sich natürlich alle einig darin, dass Volksdorf noch lebenswerter werden soll, bloß über das „Wie" wird es wohl noch viele Diskussionen geben...

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