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Revirement beim Kulturkreis Walddörfer e.V.: Auf der jüngsten Vorstandssitzung wurden sechs der neun Vorstandsmitglieder neu
gewählt. Neben den wiedergewählten Helmer-Christoph Lehmann (1. Vors.), Ernstwalter Clees und Barbara Fischer (nicht auf dem Bild)
gehören jetzt dem Vorstand an (v.r.n.l.) Karsten Grote, Peter Schmoll (Schatzmeister), Christa Schmoll, Dr. Karl-Heinz Belser (2. Vors.), Sylvia Gäth (Schriftführerin), Wulf Hilbert.

(ms) Seit vergangenem Mittwoch hat der Kulturkreis Walddörfer einen neuen Vorstand. Sechs Mitglieder des bisherigen Vorstands und somit gleich zwei Drittel schieden aus und wurden durch neue Mitglieder ersetzt.

Am 15. Februar hatte der Kulturkreis zu seiner diesjährigen öffentlichen Mitgliederversammlung geladen. An die 100 Mitglieder waren dieser Einladung gefolgt und füllten den Saal in der Ohlendorff'schen Villa um 19:30 Uhr bis auf den letzten Platz. Das ist bei einer Mitgliederzahl von zurzeit 448 eine erstaunlich hohe Anzahl, verglichen mit anderen Vereinen, bei denen in der Regel nur rund 10% zu solchen Versammlungen erscheint.

Helmer Christoph Lehmann, der alte und neue erste Vorsitzende des Vereins, stellte in seiner Begrüßungsansprache das Jahr 2011 als glanzlos dar. Zu dieser Sicht der Dinge sah er sich in erster Linie veranlasst durch den Misserfolg beim Versuch des Vertragsschlusses mit der damaligen Investorin für die Ohlendorff'sche Villa, Frau Achilles. Allerdings verspüre er „eine große Erleichterung wegen der aktuellen Entwicklung und der sich daraus ergebenden Perspektive", so Lehmann.

Aber das Gesamtbild des abgelaufenen Jahres sei auch durch die geringe Teilnahme an den öffentlichen Veranstaltungen des Kulturkreises entstanden. Aufgrund der zu geringen Einnahmen aus diesem Bereich sei der Verein zu stark von Spenden abhängig.

Um diesen Zustand zukünftig zu verbessern ist eine Umfrage bei allen Mitgliedern durchgeführt worden. Allerdings haben sich daran lediglich 58 der 400 Angeschriebenen beteiligt. Das sei aber ein normaler Rücklauf für eine solche Aktion, so Knut Fleischer, der die Ergebnisse dieser Mitgliederbefragung sehr anschaulich anhand von vielen Folien präsentierte. Dabei zeigte sich auch, dass über die Hälfte der Mitglieder des Kulturkreises über 60 Jahre alt ist.

Anschließend setzte der bisherige stellvertretende Vorsitzende Gerhard Hirschfeld die Anwesenden darüber in Kenntnis, wie der Stand der Dinge bezogen auf die Villa sei. Nach dem Rückzug der damaligen Stifterin sei eine Zeit der Ratlosigkeit gefolgt, beim Kulturkreis, wie auch bei der Stadt Hamburg. Dann habe einer der ursprünglichen fünf Bewerber, die Frank-Gruppe, ein neues Angebot gemacht.

So sei dem Investor von der Stadt jetzt das gesamte Grundstück samt Villa, Park, Nebengebäude und Parkplatz Anhand gegeben worden.

Das jetzige Konzept der Franck-Gruppe, die vom geschäftsführenden Vorstand, Marc Schauenburg, vertreten wird sieht vor, das bebaubare Grundstück und den Grundstücksteil mit der Villa und dem Park getrennt voneinander und letztlich eigenständig abzuwickeln. Für den Bau wird zurzeit ein Konzept in Abstimmung mit den Behörden und politischen Gremien entwickelt. Die Villa soll vom Investor denkmalgerecht restauriert und für den Betrieb als Veranstaltungshaus hergerichtet werden. In dem Zusammenhang sei u.a. ein Behindertenfahrstuhl vorgesehen, die Modernisierung der Haustechnik, neue sanitäre Anlagen, sowie die Herrichtung der Außenanlagen und der Parkplätze.

Anschließend soll sie dann in eine Stiftung überführt werden. „Nun sei wohl alles in trockenen Tüchern" beruhigte Hirschfeld die Anwesenden.

Das neue Nutzungskonzept sehe vor, dass das Erdgeschoss und Teile des Kellergeschosses von der Stiftung an einen Mieter, zum Beispiel ein Café oder Restaurant, unter der Auflage vermietet werde, dass die Nutzung der ehemaligen Bibliothek des Hauses Ohlendorff für Veranstaltungen durch den Kulturkreis und andere Vereine und Institutionen zu tragbaren Konditionen möglich ist. Das Obergeschoss soll dauerhaft von Vereinen für Gruppenarbeiten und als Büro genutzt werden.

Ernstwalter Clees, der als Beisitzer im alten, wie im neuen Vorstand fungiert, ergänzte noch, dass er es für richtig halte, dass der Kulturkreis als Stifter an der zu gründenden Stiftung beteiligt sein sollte. Mindestens würden für die Renovierung der Villa wohl 600.000 bis 650.000 Euro benötigt. Stifter könne man voraussichtlich mit einer Einlage ab 5.000 Euro werden. Beim Kulturkreis gäbe es auch schon drei Sparbücher mit einer Zweckbindung an die Villa. Zumindest eines davon könne wohl für die Zwecke einer Stiftung verwendet werden. Auch wäre denkbar, dass der Kulturkreis kleinere Spende sammle und diese dann gebündelt in die Stiftung einbringe, so Clees.

Gerhard Hirschfeld übernahm dann das Wort und berichtete über die verschiedenen Arbeits- und Projektgruppen des Kulturkreises. Hieraus ergab sich, dass einige der Gruppen sehr gut besucht sind, andere durchaus noch „Verstärkung" gebrauchen können zum Beispiel einige der sprachlich orientierten.

Das scheidende Vorstandmitglied Jörg Beleites zeigte anschließend die Mitgliederbewegung des vergangenen Jahres auf. Bemerkenswert hierbei ist wohl, dass es nicht zu einer Abnahme der Mitgliederzahl gekommen ist, wie man vielleicht aufgrund der Altersstruktur vermuten könnte. Im Gegenteil, es gibt sogar sieben Mitglieder mehr. Allein in diesem Jahr konnten schon 10 neue Mitglieder verzeichnet werden. Die Zahl veranlasste den ersten Vorsitzenden mit einem Schmunzeln im Gesicht zu der Bemerkung: „Wenn jeden Monat 10 Mitglieder eintreten, sind wir zufrieden".

Knut Fleischer trug dann den Kassenbericht vor, den letzten der scheidenden Schatzmeisterin Birgit Beleites, die dieses Amt 18 Jahre innehatte. Die Ausgaben für die Veranstaltungen haben dazu beigetragen, dass ein Minus entstanden ist. Letztlich konnte nur bei vier der zahlreichen Veranstaltungen ein Überschuss erwirtschaftet werden. Das Minus wurde aber durch Spenden ausgeglichen. Das Vermögen des Vereins ist sogar gewachsen, was allerdings zum Teil durch Umbuchungen zu erklären ist.

Dr. Gerd Moritz, der mit seiner Frau das Amt des Rechnungsprüfers innehat, teilte auf die Frage nach dem Ergebnis seiner Prüfung augenzwinkernd mit, dass „er erneut frustriert sei, da er wieder gescheitert sei bei dem Versuch, Fehler nachzuweisen!" und beantragte die Entlastung des Vorstands, was auch ohne Gegenstimmen von den Mitgliedern angenommen wurde.

Nun standen die Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. Als Wahlleiter fungierte wieder Dr. Moritz. Nach einigem Hin und Her wegen der Wahlmodalitäten wurde zunächst Helmer Christoph Lehmann in seinem Amt als erster Vorsitzender bestätigt. Zum neuen zweiten Vorsitzenden wurde der Volksdorfer Anwalt Dr. Karl-Heinz Belser vorgeschlagen und gewählt. Das Amt des Schatzmeisters hat nun Peter Schmoll inne. Zur Schriftführerin wurde die Saseler Anwältin Sylvia Gäth gewählt. Barbara Fischer und Ernstwalter Clees wurden in ihrem Amt als Besitzer bestätigt. Weitere Beisitzer sind jetzt Karsten R. Grote, der sich zukünftig um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern wird, Christa Schmoll und Wulf Hilbert. Alle Vorstandsmitglieder wurden ohne Gegenstimmen gewählt.

Als Rechnungsprüfer wurde das Ehepaar Moritz für weitere zwei Jahre bestätigt. Auf die Frage, ob sie die Wahl annehmen würden antwortete Dr. Moritz: „Wir lieben dieses Amt!"

Anschließend verabschiedete der alte und neue erste Vorsitzende die scheidenden Vorstandsmitglieder mit einem kleinen Geschenk. So dankte er Renate Frahm, dem Ehepaar Birgit und Jörg Beleites, Knut Fleischer, Gerhard Hirschfeld und Christa Winterboer für ihre teils langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für den Verein.

Unter Punkt 7 stand auf der Tagesordnung noch die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von 18,- auf 20,- (Einzelmitglieder) und 25,- auf 30,- Euro (Ehepaare). Auch diese wurde einstimmig verabschiedet.

Zum Abschluss animierte Ernstwalter Clees noch zur Nachbarschaftshilfe: „Helfen Sie Ihren Nachbarn zum Kulturkreis Walddörfer zu kommen" war sein Vorschlag, den alle Anwesenden lächelnd aufnahmen, bevor sich die Versammlung um 22:15 Uhr auflöste.

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